Gründen in der Textilveredelung: Wann ist Outsourcing sinnvoll?

Gastbeitrag von Lara Uschakow: Wann eigene Produktion sinnvoll ist und wann Partner helfen – Erfahrungen mit DTF, Stickdigitalisierung, Auslastung und Know-how.

Gastbeitrag: Lara Uschakow von laricari.studio
Gründen in der Textilveredelung: Wann ist Outsourcing sinnvoll?

Im ersten Teil dieser Serie habe ich erzählt, warum ich mich für eine Stickmaschine entschieden habe. Im zweiten Teil ging es um die ersten Fehler beim Einstieg, im dritten Teil um die Vorbereitung größerer Stickaufträge.

In diesem vierten Teil geht es um eine Frage, die dabei für mich immer wieder aufkommt: Muss ich als Textilveredlerin eigentlich jeden Arbeitsschritt selbst beherrschen und im eigenen Unternehmen umsetzen?

Gerade am Anfang hatte ich sehr viel Ambition. Ich wollte möglichst viele Veredelungsarten lernen, die Technik verstehen und so viel wie möglich selbst machen. Mit jeder neuen Möglichkeit kamen aber auch neue Aufgaben dazu. Eine zusätzliche Maschine bedeutet eben auch Einarbeitung, Wartung, Materialplanung und Verantwortung für einen weiteren Produktionsprozess.

Mit der Zeit habe ich gelernt, bewusster zu entscheiden, was wir selbst machen wollen und wo uns ein spezialisierter Partner sinnvoll unterstützen kann.

DTF: Warum wir Transfers zunächst extern bezogen haben

DTF war dafür bei uns eines der ersten Beispiele. Unsere Transfers haben wir lange extern bezogen, obwohl der Wunsch nach einer eigenen Produktion natürlich da war.

Mit DTF-Transfers lassen sich Motive vorbereiten, die anschließend mit einer Transferpresse auf Textilien übertragen werden. Man kann diese Veredelung also anbieten, ohne die Transfers selbst drucken zu müssen.

Für uns war das am Anfang sinnvoll. Eine eigene Produktion hätte weder von der Auslastung noch vom vorhandenen Know-how wirklich gepasst. Wir konnten DTF trotzdem in unser Angebot aufnehmen, Aufträge umsetzen und Erfahrungen sammeln.

Erst als klar war, dass DTF langfristig ein wichtiger Teil unseres Kerngeschäfts werden soll, haben wir uns bewusst für die Investition in eine eigene Produktion entschieden. Die Nachfrage und die Bedeutung für unser Unternehmen waren dafür ausschlaggebend.

Lara Uschakow mit DTF-Transfers
DTF-Transfers lassen sich auch ohne eigene Produktion anbieten. Erst bei entsprechender Auslastung lohnt sich die Investition in eine eigene Anlage.

Der Einkaufspreis allein reicht als Entscheidungsgrundlage nicht aus

Wenn man über Outsourcing nachdenkt, schaut man schnell zuerst auf den Preis: Was kostet mich eine zugekaufte Leistung, und was würde es kosten, sie selbst zu produzieren?

Für mich gehört inzwischen deutlich mehr in diese Rechnung. Ein vermeintlich günstiger selbst produzierter Transfer hilft wenig, wenn die Maschine kaum ausgelastet ist oder ich dafür an anderer Stelle im Unternehmen dringend benötigte Zeit verliere.

Bei der Entscheidung helfen mir deshalb diese Fragen:

  • Auslastung: Wie regelmäßig brauchen wir die Leistung tatsächlich?
  • Investition: Welche Kosten entstehen für Maschine, Zubehör, Software und Material?
  • Zeit und Personal: Wer übernimmt Produktion, Vorbereitung und Wartung?
  • Know-how: Können wir den Prozess zuverlässig umsetzen und Probleme selbst lösen?
  • Kerngeschäft: Wie wichtig ist dieser Bereich langfristig für unser Unternehmen?
  • Geschwindigkeit: Wie häufig müssen wir kurzfristig reagieren können?

Gerade die letzte Frage kann viel verändern. Wer ständig kurzfristig Transfers benötigt, kann von einer eigenen Produktion profitieren. Wer nur gelegentlich einen Auftrag damit umsetzt, arbeitet mit einem zuverlässigen Partner möglicherweise deutlich effizienter.

Dabei muss natürlich auch die Zusammenarbeit funktionieren. Lieferzeiten, Qualität und klare Absprachen gehören für mich genauso zur Entscheidung wie der Preis.

Nach dem Maschinenkauf beginnt die eigentliche Arbeit

Eine eigene Maschine spart nicht automatisch Zeit. Das ist ein Punkt, den man bei der Begeisterung für neue Technik leicht unterschätzt.

Man muss sie bedienen können, Fehler erkennen und lösen, Wartungen durchführen und Materialien vorhalten. Dazu kommt die laufende Beschäftigung mit dem Prozess. Das Wissen ist mit dem Kauf schließlich nicht automatisch da.

Gerade bei DTF wird das deutlich: Weißtinte, Druckköpfe, Wartung, RIP-Software zur Druckaufbereitung und Farbmanagement gehören genauso dazu wie das eigentliche Drucken. Auch eine möglichst regelmäßige Produktion muss in den Arbeitsalltag passen.

Für gelegentliche Aufträge kann dieser Aufwand unverhältnismäßig groß sein. Wenn die Voraussetzungen stimmen, hat eine eigene Produktion dagegen klare Vorteile: Wir haben mehr Kontrolle, können schneller reagieren und sind weniger von externen Lieferzeiten abhängig. Bei entsprechender Auslastung kann sich die Produktion auch wirtschaftlich lohnen.

Für mich kommt es deshalb darauf an, ob wir den gesamten Prozess dauerhaft tragen können.

Lara Uschakow an der DTF-Anlage
Eine eigene DTF-Produktion spart nicht automatisch Zeit. Wer den Prozess nicht regelmäßig umsetzt, muss sich trotzdem mit Wartung, Software und Material beschäftigen.

Dieser Gedanke steckt auch hinter DTF Chef

Unsere Erfahrungen mit zugekauften Transfers sind heute ein Grundgedanke hinter DTF Chef.

Wir möchten anderen Veredler:innen ermöglichen, DTF anzubieten und ihr Sortiment zu erweitern, ohne direkt eine komplette Produktion mit Drucker, Fixierung, Software und entsprechendem Know-how aufbauen zu müssen.

Unter www.dtf-chef.de entsteht dafür unser neues Angebot. Dort sollen bald DTF-Transfers von uns erhältlich sein – coming soon.

Für mich ist das genau die Möglichkeit, die auch uns am Anfang geholfen hat: mit einem Partner starten, Erfahrungen sammeln und herausfinden, welchen Stellenwert eine Technik im eigenen Unternehmen bekommt.

Beim Stick ist Digitalisierung ein eigenes Fachgebiet

Beim Sticken beschäftigt mich dieselbe Frage, allerdings auf Ebene eines einzelnen Arbeitsschritts.

Im zweiten Teil dieser Serie habe ich beschrieben, wie viel ich beim eigenen Digitalisieren lernen musste. Diese Erfahrung war wertvoll. Ein Grundverständnis möchte ich weiterhin haben, um Motive einschätzen, Kund:innen beraten und mögliche Fehler erkennen zu können.

Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie viel Fachwissen nötig ist, um Stickdateien professionell zu erstellen. Sticharten, Reihenfolge, Dichte und das Verhalten auf unterschiedlichen Textilien müssen zusammenpassen. Dieses Wissen aufzubauen braucht Zeit. Dateien im Produktionsalltag selbst zu erstellen, zu testen und zu optimieren ebenfalls.

Wenn jemand, der täglich digitalisiert, eine Datei schneller und besser erstellen kann, sind mehrere Stunden meiner eigenen Arbeitszeit nicht automatisch die wirtschaftlichere Lösung.

Hier kann beispielsweise der Digitalisierungsservice von emborado sinnvoll sein. Die Stickproduktion bleibt im eigenen Haus, während die Erstellung der Stickdatei an Spezialist:innen ausgelagert wird.

Mein eigenes Verständnis bleibt dabei wichtig. Ich muss weiterhin erklären können, welches Ergebnis gebraucht wird, auf welchem Textil gestickt werden soll und ob das Muster die gewünschte Qualität erreicht.

Outsourcing lässt Raum für die eigene Weiterentwicklung

Für mich ist Outsourcing deshalb keine Entscheidung gegen das Lernen. Gute Partner können gerade am Anfang den Freiraum schaffen, den man braucht, um das eigene Unternehmen weiterzuentwickeln.

Man muss nicht gleichzeitig jede Technik, jede Software und jeden Produktionsprozess lernen. Man kann eine Leistung zunächst über Partner anbieten, Erfahrungen mit Kundenaufträgen sammeln und beobachten, wie sich die Nachfrage entwickelt.

Wenn der Bereich später regelmäßig gebraucht wird und sich die Investition rechnet, kann man ihn immer noch ins Haus holen. So war es bei uns mit DTF.

Genauso kann es sinnvoll bleiben, einen spezialisierten Arbeitsschritt dauerhaft auszulagern. Entscheidend ist für mich, ob die Lösung zu unserem Alltag passt und verlässliche Qualität ermöglicht.

Was ich heute anders sehe

Ich habe mit der Zeit gelernt, dass „alles selbst machen“ nicht automatisch bedeutet, ein besserer oder professionellerer Textilveredler zu sein.

Ein Grundverständnis ist mir weiterhin wichtig. Ich möchte beurteilen können, was möglich ist und ob die Qualität stimmt. Gleichzeitig entscheide ich heute bewusster, in welchen Bereichen wir selbst tief einsteigen und welche Aufgaben wir an gute Partner abgeben.

Mein Rat für Gründer:innen ist deshalb: Schaut bei einer neuen Technik auf den gesamten Prozess und darauf, welchen Platz er in eurem Unternehmen haben soll.

Ein breites Angebot lässt sich auch mit Partnern aufbauen. Und wenn ein Bereich groß genug wird, kann die eigene Produktion der nächste sinnvolle Schritt sein.


Über Lara, laricari.studio und Textilstätte

Unter dem Namen laricari.studio dokumentiere ich meinen Weg in die Selbstständigkeit und den Aufbau meines Textil- und Merch-Business. Dabei teile ich Entscheidungen, Learnings, Fehlversuche und den Alltag beim Aufbau eines eigenen Unternehmens.

Meine Dienstleistungen biete ich über Textilstätte an. Gemeinsam mit meinem Partner setzen wir individuelle Textilveredelung um, darunter DTF-Druck, Stick, Sublimation und Plott. Zusätzlich bauen wir Fulfillment- und Shop-Systeme für Creator, Marken und Unternehmen – von der technischen Umsetzung über die Produktion bis zur Bestellabwicklung und zum Versand.

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